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Parolin: Recht muss KI steuern und Ungleichheiten abbauen

Source
Vatican News Deutsch
Published
Oct 21, 2026
Language
German
On topic
100%

What happened

Pope Leo XIV issued Magnifica Humanitas.

Who
Pope Leo XIVCatholic Church · Holy See · Vatican City · Metz
Kind of action
Wrote, signed or issued
Tone
Mixed
When
Oct 21, 2026
Reported by
Vatican News Deutsch

Every action it reports: 6

Parolin: Recht muss KI steuern und Ungleichheiten abbauen

Mit Blick auf die erste Enzyklika von Papst Leo XIV., „Magnifica humanitas“, betonte Parolin, technologische Innovationen seien nicht neutral. Sie könnten gesellschaftliche Teilhabe und Gerechtigkeit stärken, aber auch Kontrolle und Ungleichheit vergrößern. Deshalb brauche es angemessene gesetzliche Regelungen, die die Menschenwürde schützten und die Macht der Technologie begrenzten. Entscheidungen dürften nicht allein automatisierten Systemen und Algorithmen überlassen werden, da das Recht sonst seine Ausrichtung an einer konkreten, materiellen Gerechtigkeit verliere.

Parolin griff insbesondere das fünfte Kapitel der Enzyklika auf, das sich mit dem Verhältnis von Macht und einer Kultur der Liebe befasst. Der Kardinal warnte vor einer Entwicklung, in der private, häufig international tätige Technologieunternehmen über immer größere Ressourcen und Einflussmöglichkeiten verfügten, während staatliche Institutionen an Steuerungsfähigkeit verlören. Auch im internationalen Kontext werde Recht zunehmend durch die Ausübung von Macht verdrängt. Dies zeige sich unter anderem in der Krise des Multilateralismus und in der wachsenden Normalisierung von Kriegen.

KI muss Aufbau einer menschlicheren Gemeinschaft dienen

Zugleich unterstrich Parolin, künstliche Intelligenz müsse dem Aufbau einer menschlichen Gemeinschaft dienen, die auf gemeinsamen Rechten und Pflichten beruhe. Dafür seien die Prinzipien der katholischen Soziallehre maßgeblich: die universelle Bestimmung der Güter, die Subsidiarität, die Solidarität und die soziale Gerechtigkeit. Dazu gehöre auch, den oft unsichtbaren und ausgebeuteten Arbeitsaufwand anzuerkennen, der hinter algorithmischen Systemen stehe, sowie einen gerechten Zugang zu Technologien und Bildung zu gewährleisten.

Aus der Enzyklika leitete Parolin drei Leitlinien für Juristen und Diplomaten ab: Sie sollten erstens die Sprache entschärfen und Dialog sowie gegenseitigen Respekt fördern, zweitens die Perspektive der Opfer einnehmen und das Leid von Zivilbevölkerung, Vertriebenen und Flüchtlingen berücksichtigen und drittens einen gesunden Realismus pflegen. Dieser dürfe Politik weder auf moralische Appelle reduzieren noch der Gewalt überlassen werden. Stattdessen brauche es glaubwürdige Institutionen, überprüfbare Garantien, geduldige Verhandlungen und eine wirksame Konfliktprävention.

Leitlinien für Diplomaten und Juristen

Mit Blick auf bewaffnete Konflikte warnte der Kardinal davor, Krieg als normales Mittel zur Lösung internationaler Spannungen zu betrachten. Er verwies auf den Aufruf des Papstes, die Theorie des „gerechten Krieges“ zu überwinden, welche allzu oft zur Rechtfertigung von Kriegen herangezogen werde. Das Recht auf Selbstverteidigung bleibe dabei im engsten Sinne bestehen. Angesichts der Zerstörungskraft moderner Waffen und der Unvorhersehbarkeit technologischer Entwicklungen sei es jedoch kaum möglich, die Folgen eines Krieges auf gerechte Grenzen zu beschränken.

Parolin schloss mit dem Appell, Regeln zu schaffen, die künstliche Intelligenz wirksam steuern, Ungleichheiten abbauen und mehr Gerechtigkeit ermöglichen. Das Recht müsse sich als konkretes Instrument zum Schutz von Freiheit, Menschenwürde und menschlichen Beziehungen bewähren.

(vatican news - cs)

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